Kreuzverschlag Bewegungsbedingte Myopathien

Krankheitsbild und Ursachen

Der sogenannte „Kreuzverschlag“ (auch bekannt als Lumbago, tying-up oder Überlastungsmyopathie) ist eine Muskelerkrankung, die häufig nach einer Trainingspause auftritt, während der das Pferd normal täglich weiter gefüttert wurde. Es wird bei Wiederbelastung plötzlich steif in der Hinterhand, fängt häufig auch stark an zu schwitzen und will sich nicht mehr bewegen. Früher kam die Krankheit häufig bei Arbeitspferden vor, die nach Feiertagen wieder an die Arbeit mussten. Darum wurde der Kreuzverschlag auch „Feiertagskrankheit“ genannt.

Die Ursache dieser Erkrankung ist wissenschaftlich nicht abgeklärt und umstritten, es gibt verschiedene Theorien darüber. Aber man ist sich weitestgehend einig, dass Kohlenhydrate und Lactat (=Milchsäure) bei der Entstehung eine Hauptrolle spielen:

Während einer Trainingspause lagern Pferde bei kohlenhydratreicher Fütterung größere Mengen Glykogen wie einen direkten Vorratsspeicher in der Muskulatur ein. Glykogen ist ein Kohlenhydrat. Wird das Pferd dann wieder ins Training genommen, wird dieses eingelagerte Glykogen sofort anaerob verstoffwechselt. Bei einem anaeroben Stoffwechselprozess entsteht Milchsäure. Es kommt zu einer Übersäuerung des Muskelgewebes, die zu Verkrampfungen führt. Durch diese Verkrampfung werden wiederum die Gefäße in und um die betroffene Muskulatur eingeengt.

Dadurch entsteht ein Ödem, also Wassereinlagerungen im Muskel. Durch dieses Ödem steigt wiederum der Druck im Gewebe. Dabei können Muskelzellen stark beschädigt bzw. sogar ganz zerstört werden. Kreuzverschlag ist sehr sehr schmerzhaft für das Pferd und muss umgehend von einem Tierarzt behandelt werden.

Es wird häufig diskutiert, ab wann man nun von Kreuzverschlag spricht, oder nur von verkrampfter Muskulatur oder Hexenschuss. Diese Verwirrung beruht möglicher Weise auf der Tatsache, dass die Symptome von sehr mild bishin zu extrem stark ausfallen können.

Hauptsymptome

Bei der sehr milden Variante werden die Pferde bei der Arbeit nach wenigen Minuten unruhig, haben einen steifen Gang und krümmen gern den Rücken auf.
Fällt die Krankheit sehr schwer aus, bleiben die Pferde stehen, können gar nicht mehr gehen, sind steif, extrem verkrampft, schwitzen stark und werden sehr ängstlich. Auch der Puls kann stark erhöht sein. Sie haben durchaus auch Koliksymptome und der Urin verfärbt sich dunkelbraun wegen der Myoglobinurie:
Myoglobin ist ein eisenhaltiges Eiweiß in den Muskelzellen, das vereinfacht gesagt ein Sauerstofflieferant für den Muskel ist. Durch die Zerstörung von Muskelgewebe wird dunkelbraunes Myoglobin frei gesetzt und mit dem Harn ausgeschieden. Dadurch verfärbt sich der Urin von orange bis dunkelbraun.

Therapiemöglichkeiten

Bei Kreuzverschlag muss das Pferd sofort ruhig gestellt werden. Ohne wenn und aber muss ein Tierarzt gerufen werden- Möglicher Weise braucht das Pferd Infusionen, Entzündungshemmer, Schmerzmittel oder sogar Beruhingsmittel. Es gibt allerdings einige physiotherapeutische Maßnahmen, die die Genesung des Patienten erheblich beschleunigen und die Heilungsprognose einiges verbessern können. Ein beispielhafter Therapieplan könnte wie folgt aussehen:

  1. "Elektromagnetfeldtherapie (EMT)
    Das Elektromagnetfeld wirkt sehr entspannend auf die Muskulatur und fördert den Zellstoffwechsel. Es eignet sich wunderbar, um das Gewebe auf weitere Therapieformen vorzubereiten, sodass diese besser wirken können. Dies gilt in besonderem Maße bei Muskelproblemen.
  2. Manuelle Lymphdrainage (MLD)
    In der Muskulatur befinden sich viele initiale Lymphgefäße. Das sind diejenigen Lymphgefäße, die blind im Gewebe beginnen und somit den Anfang des gesamten Lymphsystems darstellen. Sie sind mit kleinen „Löchern“ am Ende und festigenden Fasern an der Gefäßwand ausgestattet. Wenn der Druck z.B. durch ein Ödem im Gewebe steigt, werden diese Gefäße weit gestellt und die kleinen Löcher öffnen sich. Dadurch entsteht ein Sog. Die Ödemflüssigkeit wird aufgesaugt und über
  3. Blutegeltherapie
    Blutegel wirken stark schmerzlindernd und fördern ebenfalls den Lymphstrom. Außerdem wird der Zellstoffwechsel angeregt, was die Regeneration des Muskelgewebes fördert. Darum empfiehlt es sich in besonders schweren Fällen, zusätzlich mit Blutegeln zu arbeiten.

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